Flirten ohne Creepen

Creeps – das sind diese Typen, die ständig fremde Grenzen überschreiten oder übergriffig werden. Manchmal unabsichtlich. Wie du das vermeidest, liest du hier.


Diese Übersetzung ist eine Kollage aus zwei Artikeln: Wie können Männer auf feministische Weise sexuelles Interesse bekunden?“ und „Ein unvollständiger Leitfaden zum nicht-creepy sein.“

 

Viele Männer*, gerade die, die sich als Verbündete (Allie) betrachten – fragen sich, wie sie flirten oder direkt sexuelles Interesse bekunden können, ohne dabei zu objektifizieren oder aufdringlich zu sein. Sie möchten ihr Interesse an Frauen*, die sie ansprechend finden bekunden oder sie mit der Aussicht auf eine (sexuelle) Beziehung auf Dates einladen. Und warum sollten sie auch nicht? – Männer* und Frauen* die gerne miteinander Sex haben sind eine schöne Sache!

Es ist verständlich dass einige Dinge, die man als Verbündeter lernt, Unsicherheiten hervorrufen können. Oder dass du einfach generell unsicher bist, wie du mit potentiell interessanten Personen umgehen sollst. Es besteht die Möglichkeit, sich völlig daneben zu benehmen und als einer der bösen Jungs* wahrgenommen zu werden, oder schlimmer: als einer dieser fauxministischen Männer*, der nur Dinge nachplappert, um wen flachlegen zu können.

In der Geekszene wurde offensichtlich, dass sich einige Arschnasen dazu zählen und daher nicht immer ein Raum geschaffen wird, der Frauen* besonders willkommen heißt. Folgende Mail eines Kongress-Besuchers landete vor einigen Tagen in meinem Postfach:

„Hast du Tipps wie ich mich nicht-creepy verhalten kann? Ich versuche es nicht zu sein, aber ich weiss nicht ob ich das selbst am besten beurteilen kann.“

Kommen wir erstmal zu den Begriffen. Ein „Creep“ ist jemand, dessen Verhalten eine andere Person mindestens unwohl und möglicherweise unsicher fühlen lässt. Ein Creep kann jedes Geschlecht haben und Menschen jeden Geschlechts belästigen, aber geben wir’s zu: Meistens sind es Männer die Frauen belästigen. Belästigung kann überall, in jeder Gemeinschaft oder Gruppe passieren.

Ich schreibe hier die Regeln auf, die ich anwende, wenn ich Leute treffe, insbesondere Frauen, die ich zum ersten Mal sehe und/oder zu denen ich mich auf die ein oder andere Art und Weise hingezogen fühle. Ich treffe viele Menschen und finde viele Menschen die ich kenne irgendwie attraktiv. Das Letzte was diese Personen von mir denken sollen ist, dass ich eine widerliche Arschnase bin. Die folgenden Dinge tue ich um dies zu vermeiden. Behaltet im Hinterkopf dass diese Empfehlungen euch nicht zu einem guten Menschen machen werden. Hoffentlich wirst du durch sie weniger creepy. Dies sind vorbeugende Maßnahmen, und sollten auch als solche gesehen werden. Na schön! Dann fangen wir mit den Wichtigsten an:

  1. Stehe dazu dass du für deine eigenen Taten verantwortlich bist. Du bist (wahrscheinlich) ein voll-funktionsfähiger Erwachsener. Du kannst wahrscheinlich einschätzen, wie du mit anderen menschlichen Wesen klar kommst und wie du mit denen interagierst, an denen du irgendwie Interesse hast. Es ist möglich dass du sozial ungeschickt bist, oder Probleme damit hast, die Gefühle und Intentionen anderer zu deuten, oder sonstwas. Das ist dein Problem, das du zu lösen hast, nicht das Problem anderer. Es ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung andere zu belästigen. Wenn du oder andere das so interpretieren, versagt ihr schon beim grundlegenden menschlichem Anstand.
  2. Was als Hauptproblem vieler Männer* gesehen werden kann ist das Umdenken von der traditionellen „Was wollen Frauen*“-Sichtweise (als ob alle Frauen* exakt das Gleiche wollten und ein Mann* die Universalformel perfektioniert, die dann für alle funktioniert) zu einer „wie kann ich dieser Frau* hier und jetzt gefallen?“-Sicht in der anerkannt wird, dass jede Frau* ihren eigenen Geschmack, eigene Vorlieben und Prioritäten hat, mit denen deine zusammenpassen können, oder auch nicht. Egal wie charmant und/oder offen du zu sein versuchst, du bist möglicherweise einfach nicht ihr Typ – vielleicht nie, vielleicht auch nur jetzt gerade nicht. Egal wie sehr du die Person magst, es gibt nichts was du tun kannst was sie dazu bringt dich genau so zu mögen. So ist das Leben nun mal. Ein guter Mensch zu sein ist allein nicht genug, um irgendwem eine erfüllende sexuelle Partnerschaft zu garantieren.
  3. Akzeptiere dass du nicht bestimmst wie wohl sich andere Menschen bei dir fühlen. Es kann sein, dass du dein Bestes gibst um so interessant, bezaubernd und lustig wie möglich zu sein – und trotzdem wie ein Creep auf andere wirkst. Ja, das ist echt scheiße für dich. Aber weißt du was? Für sie ist das noch beschissener, weil du sie belästigst und sie abgrundtief unglücklich machst und sie unwohl fühlen lässt. Es mag nicht fair erscheinen, dass „Creep“ hier die Bezeichnung für dich ist, aber: Überraschung! Es ist egal, und wenn du versuchst darüber zu diskutieren, dass du es nicht bist und das Problem doch nicht bei dir liegt, dann wirst du vom „Creep“ zur „absoluten Arschnase“. Manchmal werden Menschen dich einfach nicht mögen oder in deiner Nähe sein wollen. So ist das einfach.
  4. Akzeptiere dass niemand dir sagen muss, dass du andere belästigst (oder dir helfen muss es nicht zu tun). Es ist nett wenn Leute dich wissen lassen, wenn und wie du dich daneben benimmst. Aber weißt du was? Das ist nicht deren Aufgabe. Es ist besonders nicht ihre Aufgabe auf Conventions oder anderen Treffen, wo sie mit Freunden rumhängen und Spaß haben wollen, und nicht um irgendeinem Kerl einen Intensivkurs zu geben, wie man andere Menschen mit seiner Gegenwart nicht unwohl fühlen lässt. Wenn du andere belästigst, haben sie absolut das Recht dazu, dich zu ignorieren, dir aus den Weg zu gehen und dich auszuschließen – ohne dir sagen zu müssen warum. Nochmal: du bist (wahrscheinlich) ein voll-funktionsfähiger Erwachsener. Dass ist etwas, was du alleine hinkriegen musst. Kurzfassung: Es liegt an dir andere nicht zu belästigen und sich dessen bewusst zu sein, wie andere auf dich reagieren. Auch extrem wichtig:
  5. Akzeptiere dass andere Menschen nicht zu deiner Belustigung/Begierde/Gebrauch existieren. Ja ich weiß. Du wusstest das schon. Aber es gibt einen Unterschied zwischen wissen und glauben – oder verstehen was es in einem größeren sozialen Kontext bedeutet. Leute gehen auf Conventions und Ähnliches um Menschen zu treffen, aber nicht notwendigerweise (sogar ziemlich wahrscheinlich nicht) um dich zu treffen. Die Frau* im Steampunk-Korsett auf der Convention trägt es ziemlich sicher, weil es ihr gefällt. Aber sie trägt es sicher nicht für dich. Du bist nicht die Person auf die sie gewartet hat, der Grund warum sie hier ist. Wenn du tust, als wärst du es doch, oder dass sie nichts anderes zu tun hat (oder tun sollte) als das Objekt deiner Belustigung/Begierde/Gebrauchs zu sein, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du belästigend wirkst, exponentiell. Es ist keine Beleidigung, wenn sie diese Rolle nicht für dich einnehmen will. Es ist nicht das, wofür sie hier ist. Das sind einige allumfassende Dinge die du dir einprägen solltest. Hier ein paar praktische Dinge.
  6. Nicht anfassen. Echt mal. Du bist keine acht Jahre alt, und musst deine Finger nicht überall haben, noch hast du die Kontrolle über deine Muskeln verloren. Behalte deine Hände, Arme, Beine und alles andere bei dir. Das ist echt nicht schwer. Du willst eine Person anfassen? Lass sie entscheiden. Lass sie jede Art von physischem Kontakt beginnen, das Tempo des Kontaktes bestimmen – und stell dich darauf ein, dass die Chance sehr hoch ist dass es zu keiner Berührung kommen wird. Tu dies, wenn du sie zum ersten Mal triffst. Tu dies, wenn du sie schon 25 Mal getroffen hast. Tu es einfach als Grundregel. Auch als freundlichen Rat: Wenn du wen berührst und sie sagen „berühr mich nicht,“ oder sonstwie klar machen, dass du sie nicht hättest anfassen sollen, ist die korrekte Antwort: „Entschuldige. Es tut mir leid dass ich dafür gesorgt habe dass du dich unwohl fühlst.“ Dann zieh dich ganz schnell zurück, am besten ins nächste Bundesland.
  7. Gib ihnen Raum. Strecke mal deinen Arm aus. Wo sind deine Fingerspitzen? Das ist der Mindestabstand für jemanden, den du zum ersten Mal triffst oder nicht sonderlich gut kennst (auch für Menschen, die du bereits kennst keine schlechte Distanz). In diese Sphäre einzudringen, lässt sich Leute unwohl fühlen, warum willst du das? Das ist unheimlich. Auch unheimlich: Sich von hinten an Leute anschleichen und so ganz nah kommen, oder auf andere Weise in ihre Nähe kommen ohne dass sie es mitkriegen. Wenn ihr in einem überfüllten Raum seid und zusammenrücken müsst, mach Platz, wenn sich die Gelegenheit bietet. Sieh das nicht als Chance in jemandes Nähe herumzulungern. Und wo wir gerade dabei sind:
  8. Sperre niemanden ein. Leute in einer Ecke festhalten oder es ihnen schwer machen, zu gehen ohne dass du sie blockierst, macht dich zu einer Arschnase. Hier ein Tipp: Wenn du tatsächlich interessant für andere bist, musst du sie nicht in einer Ecke festhalten.
  9. Die amüsante sexuelle Anspielung? Absolut nicht amüsant. Wenn du dich nicht ohne Zoten und sexuelle Themen in eine Unterhaltung einbringen kannst, weißt du was? Dann kannst du dich nicht unterhalten. Bedenke auch, dass dauernd eine sexuelle Anspielung zu bringen große, blinkende Neonlichter über dir erscheinen lässt, die signalisieren, dass du wohl eine anstrengende Person bist, die sonst nichts auf den Tisch bringt. Zu einem anderen Zeitpunkt kann es eine exzellente Strategie sein, die andere Person Zoten in die Unterhaltung einbringen zu lassen und die Frequenz dieser zu kontrollieren.
  10. Jemand möchte gehen? Geh nicht mit. Wenn sich Personen aus einer Unterhaltung mit dir verabschieden, sag Tschüss und lass sie gehen. Wenn sie den Raum verlassen, ist das nicht dein Einsatz, um ihnen aus der Distanz zu folgen und plötzlich aufzutauchen, als ob es einfach so passieren wäre. Auch wenn du dich einige Zeit lang dort hinstellst, wo die Person die dich interessiert sein oder vorbei laufen könnte, nur um „zufällig“ dort zu sein, bist du wahrscheinlich verdammt creepy. Und wenn du dich an eine Gruppe hängst, nur um in der Nähe dieser Person zu sein… Hey, das ist offensichtlich.
  11. Jemand möchte dich nicht in der Nähe? Geh weg. Hier ein paar Hinweise, wann dich jemand vermutlich nicht in der Nähe haben möchte: Wenn du hinzukommst und sie keinen Augenkontakt zu dir aufbauen. Wenn sie in einer Gruppe stehen und die Gruppe sich zerstreut oder von dir abwendet. Wenn du unterbrichst und die Unterhaltung nicht dem,was du gesagt hast folgt. Eine befreundete Person stellt sich zwischen dich und sie. Und so weiter. Wenn so was passiert… na rate mal? Du bist nicht erwünscht. Wenn das passiert, dann tust du folgendes: Weg gehen. Nörgel in dich rein (und nur in dich rein) soviel du willst über ihre Unhöflichkeit oder sonstwas. Mach das weit weg von ihnen. Denke daran dass du nicht bestimmst, wie wohl sich andere in deiner Gegenwart fühlen. Denke daran, dass niemand die Pflicht hat, dir zu sagen warum sie dich nicht dabei haben wollen. Und verdammt nochmal, wenn sie dir sagen warum, dann hör ihnen gut zu.

Nochmal: Dass ist keine komplette Anleitung wie man sich nicht creepy verhält. Aber ein vernünftiger Anfang, denke ich.

 

Quellen / Weiterführendes

Originaltext: Wie können Männer auf feministische Weise sexuelles Interesse bekunden?“ (en)
Originaltext: „Ein unvollständiger Leitfaden zum nicht-creepy sein.“ (en)
Bild: Flickr

The friendzone is bullshit and here is why (en)
Consent Culture (de)
Consent und die Unterhosenregel (de)
Stuff what Boys can do (en)
Wenn du einer Grenzverletzung beschuldigt wurdest (de)
Wie verhalte ich mich möglichst nicht wie ein Arsch? (de)
Flirtverbot (de)
Creepermovecards (de)

 

41 Kommentare

  • emsi sagt:

    Es ist möglich dass du sozial ungeschickt bist, oder Probleme damit hast, die Gefühle und Intentionen anderer zu deuten, oder sonstwas. Das ist dein Problem, das du zu lösen hast, nicht das Problem anderer. Es ist keine Entschuldigung oder Rechtfertigung andere zu belästigen.

    Ein Arschloch ist, wer die Gefühle anderer Leute absichtlich verletzt um sich damit besser zu fühlen. Wer sich aus Unkenntnis wie ein Arschloch verhält und sich schlecht fühlt, wenn man ihn darauf hinweist, ist eigentlich kein Arschloch und sollte es auch wert sein, dass man über seinen Fauxpas hinwegsieht und ihm hilft ihn nicht zu wiederholen. Ein bisschen mehr Empathie auch in der Gegenrichtung, wenn ich bitten darf.

    • Dloin sagt:

      Ich stimme Emsi zu. Ich denke da insbesondere an Menschen, die nicht ganz diese ‚voll-funktionsfähige‘ Menschen sind, dennen man das aber einfach nicht an sieht. Behinderungen zum Beispiel sorgen oft für ein etwas eigenartiges Sozialverhalten. Das kenn ich von mir selber, weil ich auch behindert bin. Aber ansehen tut man mir das nicht und ich seh‘ es auch nicht ein, mit nem Hinweis-Schild rum zu laufen. Wenn ich mich falsch verhalte, sollte man mir das sagen und nich‘ einfach denken:“Wasn Creep, bloß weg hier.“ Behinderte geben sich Mühe. Das sollte durch etwas Empathie und Akzeptanz gewürdigt werden.

  • feminismus101.de sagt:

    Was wir nicht tun: Kommentare freischalten, die sich auf „loley, blöd oder was?!“ beschränken.
    Was wir gerne tun: Kritische Auseinandersetzungen freischalten.

  • Daniel sagt:

    Die meisten Punkte sind inhaltlich legitim, wenn auch in einem unangenehmen, polemischen und provokanten Schreibstil formuliert und damit nicht gerade sehr um konstruktive Kommunikation bemüht. Sehr schade, da sexuelle Belästigung und unerwünschte Annäherung ein wichtiges und ernst zu nehmendes Thema ist.

    Punkt 6 ist allerdings Unsinn. Wenn jeder Mensch immer den anderen entscheiden lassen soll, wann es zu einer Berührung kommt, werden sich nie zwei Menschen berühren können. Oder sind damit nur die Männer gemeint. Was komisch wäre, wo doch am Anfang explizit betont wird, dass ein Creep „jedes Geschlecht haben“ kann.
    Die Aussage ist also: Männer sollen grundsätzlich nicht die Initiative bei der Annäherung ergreifen und die Frauen den ersten Schritt machen lassen. Nun, mit diesem Ansatz würde man sicherlich einen Großteil unerwünschter Annäherungen verhindern – und eine große Zahl glücklicher und erwünschte Partnerschaften gleich mit. Und zwar für all die Frauen, die sich durchaus Annäherung und Berührung wünschen, aber zu schüchtern sind, selbst die Initiative zu ergreifen und sich in zahllosen Threads im Internet darüber beklagen, warum „er sich nicht endlich traut, sie zu küssen“ etc.
    Punkt 6 ist also als Pauschalaussage Quatsch, die restlichen Punkte finde ich (abgesehen von der unreifen Formulierung) gut.

    LG

    • Rexi sagt:

      Zustimmung. Ich habe normalerweise kein Problem mit Berührungen (sofern sie nicht unschicklich sind), und wenn doch, kann ich das auch deutlich machen. Den meisten Leuten geht es da sicher genauso. Ständig darauf achten zu müssen, dass man mit einer Berührung am Arm, an der Schulter oder an der Hand jemanden „triggert“, finde ich unnötig.

      Und überhaupt finde ich, dass in diesem Text sehr die Eigenverantwortung des anderen Partners übergangen wird. Als ob der andere nicht „nein“, „kein Interesse“, „danke, ich hab schon“ oder zur Not „Mach dich vom Acker!“ sagen könnte. Die meisten (Frauen) sind nicht gleich verängstigt, wenn einer mit ihnen flirtet, den sie nicht wollen.

  • Mynameis sagt:

    Klasse Artikel. Noch besser fände ich, wenn Ihr die AutorInnen auch namentlich nennen würdet, insbesondere John Scalzi, von dem der Großteil des Textes stammt.

    LG

  • Meinungsmonopol sagt:

    Ihre Missachtung von Komma- und anderen standardsprachlichen Regeln empfinde ich als belästigend.

  • schokomuffin sagt:

    Im Großen und Ganzen sehr gut, nur Punkt 6 und 7 find ich etwas extrem.

    Punkt 6: Ohne zu fragen als erste(r) anfassen ist nicht in 100% aller Fälle falsch, finde ich, und nicht immer muß zuerst gefragt werden, aber hier ist eben Aufmerksamkeit und Gespür gefragt. Hab ich das Gefühl, mein Gegenüber würde gerne berührt werden? Und wenn mensch doch falsch gelegen ist unbedingt sofort entschuldigen. „Ins nächste Bundesland verziehen“ halt ich für unnötig und übertrieben, vielleicht wurde die Situation ja wirklich ohne bösen Willen falsch eingeschätzt, aber einfach deutlich entschuldigen.

    Punkt 7: Die Länge meines ausgestreckten Arms soll der MINDESTabstand sein???? Na dann viel Spaß in Bars oder sonstigen Menschenmengen. Oder WG-Parties. Auf der Couch dann zwischen zwei Personen immer einen Platz freihalten oder wie? Wenn mensch merkt, die andere Person fühlt sich nicht wohl und will mehr Distanz, dann diese unbedingt geben, aber als Grundregel erscheint mir das zu extrem.

    • feminismus101.de sagt:

      Schau dir mal die Grafik an, die zu Punk 7 verlinkt ist. Das sind recht allgemeingültige, gesellschaftliche „Abstandsnormen“. Vgl. auch „Distanzzone“.
      Später im Artikel wird darauf verwiesen, wie in sehr engen Räumlichkeiten miteinander umgegangen werden kann.

      • herbo luck sagt:

        ist allerdings kulturell völlig verschieden, diese regeln gelten vielleicht ungefähr für mittel- und nordeuropa, aber sicher nicht für südeuropa, wo es auch völlig normal ist, dass sich leute beim gespräch berühren.

    • Anon sagt:

      😀 irgendwoher kommt mir Punkt 7 bekannt vor. … Ach ja, ZdV 3/2 303 sinndeutig: Abstand zum/zur nächtem/nächsten Soldat/Soldatin in einer Reihe exakt 80cm. … entspricht ziemlich genau dem ausgestreckten Arm.

      Aber wenn ich ehrlich bin ist das ein sehr guter Abstand für den persönlichen Komfort, nur hätte ich nie gedacht, dass Für das Flirten typisch militärische Abstände empfohlen werden.

  • Christian sagt:

    Kritik an Punkt 6: +1, der Artikel erhebt Anspruch für alle Geschlechter zu gelten (löblich), verbietet dann aber je nach Deutung des Wortes „sie“ nur das Berühren von Frauen und räumt diesen gleichzeitig das Recht auf ungefragtes Berühren ein, oder aber Leser des Artikels sollen keine anderen Menschen berühren, aber andere Menschen (nur die Nicht-Leser?) dürfen schon.

    Ich bin wirklich ein Freund von hilfreichen Regeln für das menschliche Miteinander, aber diese müssen schon konsistent sein. Auf einen verbesserten Nachfolgeartikel würde ich mich freuen.

    Der Artikel verspricht:
    1. “Wie können Männer auf feministische Weise sexuelles Interesse bekunden?”
    2. „Ein unvollständiger Leitfaden zum nicht-creepy sein.”
    Während ich hinter 2. einen Haken setzen kann finde ich rein gar nichts zu 1., dabei wäre gerade das interessant gewesen. Ich weiß jetzt (nicht ganz konsistent) was ich NICHT tun soll. Auch hierzu würde ich mich über einen Nachfolgeartikel freuen, der erklärt was man denn TUN kann.

    Ja, ich bin Nerd. Ja, ich tu mir schwer mit Frauen. Ja, ich war wohl schon öfter creepy, im Nachhinein betrachtet.
    Ich wünsche mir wirklich mal einen konstruktiven Artikel der mehr als nur „Jede Frau ist anders, man muss da ein Gefühl entwickeln, um sicher zu gehen mach lieber gar nichts!“ aussagt.

  • “ Auch als freundlichen Rat: Wenn du wen berührst und sie sagen “berühr mich nicht,” oder sonstwie klar machen, dass du sie nicht hättest anfassen sollen, ist die korrekte Antwort: “Entschuldige. Es tut mir leid dass ich dafür gesorgt habe dass du dich unwohl fühlst.” Dann zieh dich ganz schnell zurück, am besten ins nächste Bundesland.“

    Ich bin sicher niemand, der zur Fraktion der „Fummler“ oder „Grabscher“ gezählt werden könnte. Aber was bitte hat die Autorin zu diesem Abschnitt (insbesondere dem letzten Teil) getrieben?

    Da macht womöglich jmd. einen Fehler und derjenige (nach erfolgter Entschuldigung, sollte klar sein) darf sich dann gleich „ins nächste Bundesland“ verpissen? *schmunzelt* Nicht übel.

    Wobei der ganze Punkt (Nr. 6) durchaus richtig ist. Aber eben auch nur für Frauen die den ersten Schritt (oder die ersten Schritte) machen wollen. Besteht die unwahrscheinliche, unfassbare Möglichkeit, dass es nicht nur solche Frauen gibt? Wohl nicht, hm?

    Aber ich sehs grad. Kritisierte auch der „schokomuffin“. Offenbar zu recht.

    • feminismus101.de sagt:

      Ich denke, es geht nicht darum, dass „die Frau“ zwangsweise den ersten Schritt zu machen hat und „der Mann“ auf keinen Fall initiativ flirten darf – wenn er* achtsam mit Signalen aller Art umgeht, und sich vergewissert, ob Consent gegeben ist. Im Zweifelsfall: Wenn ihr Spaß habt und euch mögt, ist das alles meistens ziemlich einfach 😉

      • Fritz sagt:

        Ich würde den Artikel und speziell diese Antwort als widersprüchlich und breiig bezeichnen. Ob einer Person etwas gefällt, kann ich nur durch ausprobieren herausfinden. Erst dann erhalte ich ein Signal, ob etwas legitim oder über die Stränge hinaus war.
        Zitat: “ Im Zweifelsfall: Wenn ihr Spaß habt und euch mögt, ist das alles meistens ziemlich einfach“
        Bitte was ist daran ein Zweifelsfall? Wenn sich zwei mögen ist die Situation klar, es sollten keine Zweifel mehr herrschen…
        Ein Zweifelsfall wäre, wenn Erstes eben nicht gesichert ist, beispielsweise, wenn ich eine andere Person liebe, ich es aber von ihr noch nicht sicher weiß. Dann kann ich daran zweifeln, ob der Person ein spontaner Kuss oder Ähnliches (Als Ausdruck der Liebe) gefallen könnte, da die Beziehung nicht eindeutig geklärt ist.

  • Brent sagt:

    Was bedeutet der Stern hinter Mann* und Frau*?
    Das meiste ist ja selbstverständlich, aber ein paar Sachens sind mir nicht klar:
    – Ist es nicht sexistisch, dass die Frau alleine entscheidet wann anfassen okay ist? Es könnte ja sein dass Mann nicht angefasst werden will und sie ihn dann creept. Vielleicht sollte man sagen man spricht vorher darüber, bevor man sich anfasst, fragt ob es okay ist.
    – Das mit der Armlänge Distanz klingt durchaus vernünftig. In lauter Umgebung wie zB einer Kneipe oder einem Club ist das aber unpraktisch, weil man sich so nicht unterhalten kann. Sollte man an solchen Orten evtl. ganz aufs Flirten verzichten?

    • feminismus101.de sagt:

      Zum Stern: http://highoncliches.wordpress.com/glossar/ (erster Punkt)

      – Niemand sollte irgendwen anfassen, der das nicht eindeutig als okay signalisiert hat. Per Default in Zurückhaltung üben ist nicht sexistisch.
      – Wie ich auch schon hier schrieb: Es wird am Ende des Textes auch auf Orte mit wenig Platz eingegangen: „Wenn ihr in einem überfüllten Raum seid und zusammenrücken müsst, mach Platz, wenn sich die Gelegenheit bietet.“

  • Chucky sagt:

    Zunächste möchte ich die von Daniel und Christian angesprochene Kritik auch noch mal unterstützen.

    Weiter: Wie verhält man sich denn konkreter uncreepy wenn es vom Flirt weitergeht? Nein heißt Nein das ist klar. Aber wie sieht’s denn in die Ja-Richtung aus? Ich rede da jetzt nicht von Sex sondern den anderen subtilen Annäherungssachen oder auch solche Punkte wie: Soll/Muss man fragen ob man einen ersten Kuss initiieren darf? Das finde ich z.B. grundsätzlich in Ordnung habe aber die Erfahrung gemacht, dass das schlecht ankommt. Soll man auch bei einer subtilen Berührung am Arm jedes Mal fragen?

    Außerdem möchte ich noch eine Anmerkung zum Punkt 3. machen, und zwar zu diesem Satz: „Es kann sein, dass du dein Bestes gibst um so interessant, bezaubernd und lustig wie möglich zu sein – und trotzdem wie ein Creep auf andere wirkst. Ja, das ist echt scheiße für dich. Aber weißt du was? Für sie ist das noch beschissener, weil du sie belästigst und sie abgrundtief unglücklich machst und sie unwohl fühlen lässt.“

    Ich finde die Kernaussage zwar richtig, dass das Empfinden der „angecreepten“ Person diesen hohen Stellenwert genießt aber ich halte die obige Passage in der Formulierung dafür geeignet schüchterne Menschen in noch größere Selbstzweifel zu stürzen. Die denken sich nämlich schon genug, dass sie allen zur Last fallen, generell unangenehme Menschen sind, besser nicht hier sein sollten, usw. usf.

    • feminismus101.de sagt:

      Es tut mir leid, dass der Text viele Menschen zu verunsichern scheint bezüglich “Was okay ist und was nicht und wie kann ich eigentlich richtig flirten”
      Um auf deine Frage bezüglich Kuss einzugehen: Was spricht gegen ein “Kann ich dich küssen?/Möchtest du, dass ich dich küsse?/Knutschen?”?
      Weiterführend dazu empfehle ich die Artikel:
      http://feminismus101.de/consent-culture/
      http://maedchenblog.blogsport.de/2008/01/08/have-sex-hate-sexism/
      http://antiprodukt.de/sexuelle-selbstbestimmung/
      Ganz viel zu Sex, Kinky Stuff und Co auf englisch gibts bei: http://pervocracy.blogspot.com/
      Beiläufige Berührungen am Arm sind bei einigen Menschen total okay, bei anderen gar nicht. Deshalb einfach abklären. Was hier so detailliert beschrieben und bezeichnet wird, passiert ganz oft sowieso beiläufig und ohne endlose Aushandlungen. “Sorry, ich hab aus Versehen deinen Arm berührt – Kein Problem, ich mag das.”

      • Michael sagt:

        Nur kurz bezüglich „Was spricht gegen ein “Kann ich dich küssen?/Möchtest du, dass ich dich küsse?/Knutschen?”?

        Sehr viel, und ich kann jedem Mann, der diesen Text hier liest, nur raten äußerst vorsichtig mit diesem Ratschlag zu sein. Ob Mann Frau küssen kann (oder umgekehrt) spürt man. Da reicht eine Pause in der Konversation, ein intensiver Blick, ein vorsichtiges Näherkommen und kurzes Verharren. Wenn der Blick abgewendet wird, oder wenn auch nur ein paar Millimeter zurückgewichen wird, dann ist das Ablehnung. Ein auffordernder Blick, Entgegenkommen etc. sind befürwortende Gesten. Ehrlich, mit ein bisschen Sensibilität spürt man das!

        Fast alle Frauen mit denen ich darüber geredet haben, d.h. über 95%, empfinden es als äußerst (!) abturnend, wenn ein Mann kein Gespür für die Situation hat, diese Signale nicht versteht und stattdessen fragt. Mit der Frage ist die Spannung weg, die Situation hat sich dann von selbst erledigt. Ganz ehrlich feminisumus101, solche Ratschläge verunsichern diejenigen die eh schon sehr vorsichtig und unsicher sind nur noch mehr, veranlasst sie dazu nur noch mehr Fehler zu machen, bzw. sich überhaupt nicht mehr zu trauen. Ist den Frauen damit geholfen? Denn das sind die eigenlich netten, die nichts böses im Sinn haben. Die Machos, die einfach ranziehen und küssen ohne auf Signale zu achten, die erreicht ihr mit diesem Text niemals. Soweit meine Meinung dazu.

  • Stephan Fleischhauer sagt:

    Interessanter Artikel. Du meinst also, man soll auf Sexualität lieber verzichten. Vielleicht tatsächlich das beste.

  • Herzmensch sagt:

    Die aufgeführten Punkte sind ja durch die Bank bedenkenswert, keine Frage. Aber die Ausführungen im Text scheitern umgehend an der fehlenden Logik ihres eigenen kategorischen Duktus und zeigen damit präzise, wie unsinnig trotzige Allgemeinplätze sind, egal in welches Horn sie geblasen werden und auf welcher Seite sich das Feindbild befindet. Der vorgeblich beworbene sorgsame und respektvolle Umgang miteinander bleibt dadurch schon im Ansatz auf der Strecke. Das finde ich jammerschade.

  • MrPennywise sagt:

    Da hier ja Kommentare mit kritischem Hintergrund erwünscht sind, stelle ich hier mal einen Link zu einem Essay ein, der sich auch mit Punkt 6 befasst:

    http://www.pennys-wochenrueckblicke.com/pennys-texte/2013/152-wie-wir-den-sexismus-mit-der-google-brille-besiegen/

    Der Essay versucht, die Verallgemeinerung ein wenig abzuschwächen und die Dinge von beiden Seiten zu sehen. Er soll zur vernünftigen Diskussion anregen. Und nein, der Autor ist auch kein creepiger Macho.

    Ich vertrete diesbezüglich auch die Meinung, dass Hardlinersprüche ala „Ab ins nächste Bundesland“ weder auf Machos noch auf „Normal“-Flirtende irgendeineWirkung haben. Es schreckt eher ab.

  • Interessierter sagt:

    Leider verfehlen einige Punkte die Überschrift – „wie man nicht creepe wirkt“. Aber sie geben einem einen Ratschlag an die Hand, besser damit klar zu kommen.

  • Flo sagt:

    Die Vorschläge halte ich für prinzipiell richtig. Annäherungen erfordern immer im konkreten Moment Urteilskraft (insbesondere Punkt 6). Und da lag ich, wie die meisten anderen schon daneben und wir waren creepy. Wir haben uns dafür entschuldigt und daraus gelernt. Vielleicht hatten wir auch schon das Gefühl, uns creepy zu verhalten und dann war unser Verhalten erwünscht.
    Wo liegt aber das eigentliche Problem? Das liegt für mich in den Typen und Frauen oder sonstwem da draußen, die das nicht checken werden. Denen kann man das dann so oft wie man will erklären, das bringt nicht viel. Die creepen einfach weiter…

  • […] aus irgendwelchen Gründen Angst haben sollten, nie mehr mit einer Frau flirten zu dürfen: Bei Feminismus 101 und High und Clichés gibt es netterweise Serviceartikel, wie’s doch geht. darüber […]

  • Gast sagt:

    Ich habe nun eine Weile über den Artikel nachgedacht. Ich finde ihn creepy.
    Es ist sicher möglich gemäß dieser Regeln einen für alle Beteiligten befriedigenden Flirt zu führen kann, solange diese Flirtregeln allen Beteiligten bekannt sind.

    Wenn man sich über die Regeln einig ist, kann man sich in deren Rahmen auf das Spiel aus Provokation, Nähe und Distanz einlassen. Wenn man seine Regeln allen aufstülpt, ist man creepy – das sehe ich ein.

    Nonverbalität ist extrem wichtig bei menschlicher Interaktion und unterschiedliche Menschen hängen unterschiedlich stark von ihr ab. Gerade beim Flirten gibt es das Problem, daß Wort und Tat oft absichtsvoll divergieren. Für einige Leute mag es prima klappen auch in diesem Breich Dinge explizit anzusprechen für andere nicht.

    Da wir nicht mehr im 19.Jhd. leben gibt es nun innerhalb unserer Gesellschaft eine Vielzahl von Regelsystemen für den zwischenmenschlichen Umgang. Wie wir den jeweils gültigen Regelsatz in formlosen Situationen aushandlen halte ich für ein sehr wichtiges und ungelöstes Problem der pluralistischen Gesellschaft.

    Der Artikel bietet einen Ansatz: Alles explizit verbal formulieren. Ich befürchte, dieser Ansatz schließt viele Menschen aus, die ansonsten aber ganz OK sind.

    Habe ich einen besseren Vorschlag? Ich befürchte nicht.

    Bis wir es besser wissen, schlage ich vor, Respekt für Gegenüber zu haben, zu versuchen sich einzufühlen und sich zu entschuldigen, wenn man erkannt hat, daß es doch zu einem der vorerst unvermeidlichen Problemen gekommen ist.

  • xrayy sagt:

    Ich finde, wenn ich meine Beziehungs- und Flirterfahrungen als Mann so revue passieren lasse, dass das Thema inhaltlich zwar sehr gut trifft und ich ähnlich denke, aber in der Form leider völlig an der vermutlichen Zielgruppe vorbei geschrieben wurde. Wen soll der Titel denn ansprechen ? Feministinnen ? Emanzen ? Selbstbewußte Frauen ? Oder alle die, die soieso schon wissen wie es geht ? Doch wohl eher nicht oder zumindest nicht alleine! Aber genau in dem Stil ist der Inhalt aufgemacht.
    Das ist schade! Ich bin nur aus Zufall auf diesen Artikel gestoßen und kann die Tips inhaltlich fast ausnahmslos unterstützen und zu deren beherzigung raten, aber ich bin mir sicher, dass die eigentliche Zielgruppe, also die eigentlichen Creeps, nur im unteren einstelligen Prozentbereich erreicht wird. Da stellt sich mir die Frage: Welchen Zweck soll der Artikel in der Aufmachung und an diesem Platz eigentlich erfüllen, außer sich mehrheitlich von Gleichgesinnten beweihräuchern zu lassen ?
    Konstruktiver Vorschlag: Thema in passender Form für Nerds, Angeber, Testorsteron-Junkies und Sozialasketen gleichermassen passend aufbereiten und dann in den passenden Männer-Foren plazieren! Hier liegt die wirkliche Herausforderung.

  • Martin sagt:

    Zitat: Ein “Creep” ist jemand, dessen Verhalten eine andere Person mindestens unwohl und möglicherweise unsicher fühlen lässt.

    Für mich sind momentan alle Feministinnen Creeps: Sie lassen mich extrem unsicher fühlen.

  • Daniel Bohrer sagt:

    Aber die versuchen ja auch nicht unbedingt, mit dir zu flirten.

  • Libellie sagt:

    Die Armlänge beim ersten Kontakt ist eine sehr west-europäische Angabe und keine grundsätzliche Regel – es kommt doch auch darauf an, wieviele Menschen im Raum sind etc.

  • Helge Hinrichs sagt:

    Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Aufsatz.

    Nach ein paar Minuten des Sinnierens fühle ich mich tatsächlich nachwievor unwohl — und zwar bei der Vorstellung einem Menschen (Mann wie Frau) zu begegnen, die / der mir in geballter Form den erhobenen Zeigerfinger zeigt. Immerfort. Immer wieder. Und genau diese Haltung lese auch aus Ihrem Aufsatz heraus. Schon dieses dauernde „weisst Du was“ ist m.E. eine unnötige Anmaßung, die eine Erhebung zum Leser gegnüber signalisiert. Und dauernd geduzt zu werden empfinde ich in diesem Kontext als unangenehm. Es fiel mir (als Vielleser) dadurch recht schwer bis zum Ende dranzubleiben.

    Das musste ich mal loswerden.

    Unabhängig davon: inhaltlich bin ich nahezu 100% Ihrer Meinung.

    These: dieser Aufsatz in einer angenehm-sachlichen Tonalität und Sie würden mehr Hirne und Herzen erreichen. 5 Mark drauf.

  • w.scherrer12@web.de sagt:

    Gerade Punkt 11 ist voll daneben, das mit Geschlechtern gar nichts zu tun, oder mit Sex o.ä. Als ob wir in einer absolutistischen von Eliten bestimmten Gesellschaft leben würden…! Ich würde eher sagen, die Gruppe sollte sich schämen aufgrund ihres rückständigen, ungebildeten Sozialverhaltens. Der beste Tipp, wenn sich eine Gruppe so verhält: Verlasse solche sozialen Kontexte und komm nicht mehr wieder, du bist aus Versehen an katastrophal rückständige Menschen geraten, die von so etwas wie „Würde“ noch nie etwas gehört haben.

  • Sebastian sagt:

    Ich kann zwar den einzelnen Punkten zustimmen, aber insgesamt zeigt dieser Artikel auf, was man alles nicht tun sollte, nicht aber, was man tun sollte. Solche und ähnliche Aufklärungen und Sozialisierungen haben mich dazu gebracht, Frauen einfach gar nicht erst anzusprechen, dann besteht schließlich auch keine Gefahr, sie zu belästigen.
    Das ist zwar sehr effektiv in der Verhinderung von Belästigung, aber irgendwie ist es nicht ganz praxistauglich… Deshalb wäre ich froh über ein paar *konstruktive* Vorschläge.

  • Lars sagt:

    Ich möchte mich zunächst kurz vorstellen, damit man mich und meine Situation richtig einordnen kann. Ich bin männlich, heterosexuell, 41 Jahre alt, groß (185) und einigermaßen schlank (76kg), habe einen guten Job (Softwareentwickler) und würde mich äußerlich auch nicht als unattraktiv bezeichnen, was ich z.B. daran gemerkt habe, das vornehmlich schwule Männer auf mich stehen (welchen man ja im allgemeinen einen guten Geschmack nachsagt), von denen einige zum Teil massiv übergriffig mir gegenüber geworden sind (nicht nur anfassen). Ich bin also für das Thema durchaus sensibilisiert. Ich bin ein sehr zurückhaltender und schüchterner Mensch, wenn es darum geht, Kontakt zu Frauen aufzunehmen. Ich würde nie eine Frau einfach so ansprechen, geschweige denn berühren. Andererseits mag ich Frauen, die von sich aus die Initiative ergreifen.

    Nur kommt das so gut wie nie vor, in meinem bisherigen Leben genau zwei mal. Die erste Frau, die das tat, traf ich 1994 in einem Technoclub auf der großen Freiheit in Hamburg (Es ist ja nicht so, dass ich mich zuhause verstecken würde). Sie war 20 Jahre älter als ich, wie ich ein paar Wochen später erfuhr (sah man ihr aber nicht an). Wir waren dann bis Anfang 2005 zusammen. Und mir ist mittlerweile klar, dass sie sich mit mir einen „knackigen jungen Liebhaber“ angeln wollte. So ein Altersunterschied bedarf großer Kompromissbereitschaft in der Beziehung, aber ich war froh, mit damals fast 23 Jahren endlich jemanden gefunden zu haben.

    Die zweite Frau in meinem Leben sprach mich letztes Jahr an. Diesmal waren wir beide ungefähr gleich alt. Und ich glaubte, endlich den Menschen gefunden zu haben, mit dem ich wirklich auf einer Wellenlänge liege, so vieles an ihr, ihre Einstellungen u.s.w. fand ich überaus passend. Ich habe mich sehr in sie verliebt. Als sie das merkte, trat sie vehement auf die Bremse, denn sie wollte nur eine Affäre und explizit keine Liebe (hat sie direkt so gesagt) und hat mich zum Teufel gejagt. So kann es auch gehen …

    Was ich damit sagen will? Die im Artikel vorgeschlagene Passivität von männlicher Seite, ein Warten darauf, dass die Frau den ersten Schritt tut, funktioniert in der Praxis anscheinend nicht. Zum ersten sind offenbar viel zu wenige Frauen bereit, von sich aus den ersten Schritt zu tun. Und bei denen, die es jetzt schon tun, gibt es zum Teil eigenartige Motivationen dafür, wie z.B. ich am eigenen Leib erfahren habe.

    Alles Gute,

    Lars

  • Alex sagt:

    Dazu, WIE es denn „un-creepy“ und ohne Sexismus geht, ein kleiner Erfahrungsbericht: Ich (w*) hab vor einiger Zeit jemanden (m*) neu kennengelernt und zwar im Rahmen eines Partner_innen-Sports (klettern). Da ist insbes. das Thema Berührungen ziemlich präsent – sie sind nicht vermeidbar und sollten auf jeden Fall nicht dauernd zu unangenehmen Momenten führen. Betreffende Person (ich nenne ihn mal X) war bei den ersten paar Treffen sehr zurückhaltend, hat immer ausreichend Abstand gehalten, sich bei jeder irgendwie versehentlichen Berührung sofort zurückgezogen und/oder entschuldigt; ich ebenso.

    Nach ein paar Mal war klar, dass wir uns gut verstehen, uns gegenseitig sympathisch sind und ein gewisses Vertrauen hatte sich aufgebaut. Es hat sich dann langsam die Wohlfühl-Distanz, die wir zueinander eingehalten haben, etwas verringert, wir haben uns bei kleinen versehentlichen Berührungen, etc. nicht mehr jedes Mal entschuldigt bzw. dem_der anderen gesagt „das ist okay, kein Grund, sich zu entschuldigen“, etc., Umarmungen zur Begrüßung/zum Abschied wurden eingeführt.

    Beim Klettern hat mensch einen Gurt um die Hüfte, an dem Material hängt, das zwischendurch oft auch getauscht wird, sodass mein_e Partner_in mal was braucht, was gerade an meinem Gurt hängt oder mir was zurückgeben will, was wieder an meinen Gurt muss. Irgendwann hat mich X einfach gefragt, ob es okay ist, wenn er sich das direkt von meinem Gurt nimmt/wieder dorthin zurück hängt. Ich hab‘ ja gesagt; genauso mit so Dingen wie in einer angeregten Unterhaltung/um auf was aufmerksam zu machen, am Arm berühren.

    Was ich mit dieser kleinen Geschichte sagen will: Ich hab‘ jede dieser Gesten sehr genau wahrgenommen und weiß es wirklich sehr zu schätzen, weil ich mich in keiner Sekunde awkward damit gefühlt hab‘ und es zu einem passenden Zeitpunkt (zB NICHT beim ersten Treffen in der ersten halben Std.) kam. Genau so funktioniert es, ohne dass komische Situationen entstehen oder jemand sich bedrängt fühlt. Einfach ein bisschen Sensibilität, Zurückhaltung, Fingerspitzengefühl und drauf achten, wie die andere Person reagiert. Stellt sich die richtige „Chemie“ (Sympathie, Vertrauen, Entspanntheit) ein, dann fragen oder aus der Situation entnehmen, ob mehr Körperkontakt okay ist. Ich hab‘ das bisher noch nie so explizit sensibel und aufmerksam mit einem Mann* erlebt und es hat mich total beeindruckt, weil X dabei total souverän und locker war.

  • Claudi sagt:

    “ Lass sie entscheiden. Lass sie jede Art von physischem Kontakt beginnen“

    Das sind keine Flirttipps sondern Anstandsregeln aus dem 19 Jahrhundert.

  • ThisOne sagt:

    „Du willst eine Person anfassen? Lass sie entscheiden. Lass sie jede Art von physischem Kontakt
    beginnen, das Tempo des Kontaktes bestimmen“

    Will sagen – jeder soll darauf hoffen, daß der oder die andere etwas tut, was nach diesem Ratschlag ethisch zumindest fragwürdig wäre? Wenn die auch den Artikel gelesen haben und sich an die Regel halten, dann wollen am Ende zwei Leute sich anfassen, aber keiner macht den Anfang, weil sie/er darauf hofft, daß der/die andere sich nicht an die Regeln hält. Wie soll denn das bitte logisch funktionieren?

    Niemand soll irgendwen belästigen, aber die Logik von Kommunikation welcher Art auch immer setzt voraus, daß irgendwer den Anfang macht. Wenn man jemanden einlädt, anzufassen, ist das auch ein Anfang, und mitunter nicht weniger creepy. Das Herabwürdigen von Körpersprache ist sowohl lebensfremd als auch der Struktur menschlicher Kommunikation vollkommen unangemessen.

    Sorry.

  • piwwo sagt:

    Ok ich verstehe was nicht: Zuerst wird angegeben „wie sie flirten oder direkt sexuelles Interesse bekunden können“ und dann „Männer* und Frauen* die gerne miteinander Sex haben sind eine schöne Sache!“

    Was soll das? Natürlich sollte jemand nicht plump hinrennen „ey ficköön??“ aber das „ohne sexuelles Interesse bekunden“ kapier ich nicht, wenn es doch letztendlich um sexuelles Interesse geht. Respekt ist wichtig, Objektifizierung falsch, ich will ja auch mit einem (weiblichen, in meinem Fall) Menschen in’s Bett, nicht mit einem Objekt. Ich will mich mit ihr verstehen und auch interessante Unterhaltungen führen können, Spaß haben (was ich sowieso nur habe wenn ich weiß, dass sie mindestens genauso viel Spaß daran hat). Nicht einfach losgrabschen ohne zu wissen, dass für Berührungen Konsens besteht, auch selbstverständlich. Soweit, so klar, aber warum das ganze Rumgeeiere, was ist falsch daran, wenn beide wissen, worum es geht? Ich finde das unehrlich.

    Das soll kein Trolling oder sowas sein, ich kapier das wirklich nicht.

  • Johannes sagt:

    Hier noch ein richtig guter Artikel zum Thema, der dem, was dieser Artikel hier verspricht aber nicht hält, sehr nahe kommt. Also an alle, die von diesem Artikel ratlos, verunsichert und frustriert zurückgelassen wurden: lest den unten verlinkten.

    Und alle, die diesen Artikel hier gut finden, werden den verlinkten wahrscheinlich auch gut finden:

    http://www.sophiagubb.com/breaking-down-male-social-conditioning-a-self-help-guide-to-ending-rape-culture/

  • Georg sagt:

    Ich finde die Idee für so einen Text ja erstmal super. Aber leider hält er ja gar nicht, was er verspricht: Es geht nämlich nur um „ohne zu Creepen“, aber gar nicht um „Flirten“.

    Bzw. anknüpfend an Christian: Ihr schreibt nur, was man nicht tun darf, aber nicht, was man tun darf.

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