Gender Gap

Gender (Pay) Gap bezeichnet eine Ungleichbehandlung im Berufsleben, insbesondere in Bezug auf (niedrigeren) Lohn/Gehalt von Frauen. Andere Faktoren des Gender Gap sind Erwerbsbeteiligung, Bildungsunterschiede oder verschiedene Zugangsvoraussetzungen im Job.


Der Begriff „Gender Gap“ bezeichnet eine zu beobachtende Ungleichheit der Gehälter (Anmerkung: Korrekterweise dann „Gender Pay Gap“. Gender Gap bezeichnet alle geschlechterspezifischen beruflichen Ungleichheiten, beispielsweise Einstellungshürden). Männer verdienen deutlich besser als Frauen, sowohl im Durchschnitt als auch im direkten Vergleich bei gleicher Leistung im gleichen Job. Diese Gehaltsschere gibt es quer durch alle Branchen – auch in lehrenden Berufen und der Politik.

Diese Unterschiede variieren länderspezifisch, gesellschaftliche Faktoren spielen hierbei offensichtlich eine entscheidende Rolle. Es gibt eine Menge sexistische Rationalisierungen dafür, warum es in Ordnung sein soll, dass der Gender Gap beim Einkommen weiterhin besteht.

Einer der Üblichsten ist, dass Männer eher bereit wären, riskantere Aufgaben zu übernehmen, wofür sie einen entsprechenden Aufschlag erhalten würden. Das Problem ist, dass dieses Argument von einem idealen Markt ausgeht, in dem der Risikozuschlag wirklich den ArbeiterInnen in körperlich gefährlichen oder belastenden Anstellungen gezahlt wird. Es gibt allerdings keine Belege dafür, dass Risikozulagen in ausreichender Höhe gezahlt werden, um einen so relevanten Teil des Gender Pay Gaps auszumachen. Die empirischen Beweise unterstützen diese These einfach nicht.

In einem Artikel des US Departments of Labor’s, aus dem das obige Bild stammt, heißt es:

Unterm Strich sind die am höchsten gewerteten Aufgaben auf dem Arbeitsmarkt kognitiver oder leitender Natur. Aufgabengebiete, die mit zwischenmenschlichen Beziehungen verbunden sind scheinen die Gehälter nicht positiv zu beeinflussen, ebenso wiephysisch fordernde oder gefährliche Jobs.

Zweites Problem ist, dass die meisten Beispiele von hochriskanten Aufgaben eine Art „glamouröse“ Berufsfelder sind, die ohnehin mit Gehältern weit über dem Existenzminimum vergütet werden. Die Argumente scheitern in der Regel daran, nicht die Arbeiter mit niedrigen Löhnen in die Argumentation einzubeziehen, die, wie in der Grafik zu erkennen, ein höheres Risiko gefährlicher Verletzungen zu tragen haben:

Es ist zu bezweifeln, dass irgendjemand glaubt, Arbeiter im landwirtschaftlichen Bereich würden Risikozuschläge erhalten, obwohl sie einem mehr als doppelt so hohen Risiko eines tödlichen Unfalls als Bauarbeiter ausgesetzt sind.

Scheinbar steckt also mehr hinter der Entlohnung eines Berufs als nur die Wahrnehmung der gesundheitlichen Risiken und der harten, schmutzigen Arbeit. Wenn das also keine Erklärung dafür ist, dass Männer Berufe wählen, in denen ein Risikozuschlag gezahlt wird, was ist sie dann?

Nach den „Gender essentialist arguments“, suchen sich Frauen angeblich aus verschiedenen Gründen (angeborene, beispielsweise) einfach weniger gut bezahlte Jobs. Dies steht entgegen der Tatsache, dass der Gender Gap in manchen Ländern deutlich geringer ausfällt und in einigen wenigen praktisch gar nicht existiert. Die empirischen Beweise unterstützen das Argument, dass diese Arbeitsmuster allein ausreichende Erklärung für den Gender Gap sind, nicht.

Zur Situation in Deutschland:

„In keinem anderen europäischen Land ist der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern so ausgeprägt wie in Deutschland. Eine neue Datenbank der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass eine vollbeschäftigte Frau in Deutschland knapp 22 Prozent weniger verdient als ein Mann – der OECD-Schnitt liegt bei einem Minus von 16 Prozent. Die Datenbank erfasst den mittleren Verdienst aller erwerbstätigen Frauen und Männer. Das Gefälle zwischen den Geschlechtern ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen in der Regel in schlechter bezahlten Branchen arbeiten…“

– OECD-Meldung vom 5. März 2012

Quellen / Weiterführendes:

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