Ist Vergewaltigung nicht einfach nur härterer Sex?

Ist Vergewaltigung nicht einfach nur härterer Sex? AKA: In Wirklichkeit stehen Frauen doch darauf, auch wenn sie es nicht zugeben. Spaß beiseite, es gibt wirklich Menschen, die so argumentieren. Selbst wenn die meisten davon nur Trolle sind, die Streit suchen, sollten wir dennoch darüber reden.


[trigger warning=“Rape Culture“]

Ok, lass uns das Schritt für Schritt durchgehen:

  • Stell dir dein Lieblingsdessert vor. Du weißt schon, das Dessert, das du immer wieder im Restaurant bestellst, obwohl du es bereits dutzende Male gegessen hast. Das eine Dessert, bei dem du immer ein- oder zweimal Nachschlag holst und das du dir von Freunden und Familie zum Geburtstag machen lässt.
  • Stell es dir ganz genau vor. Den Geschmack. Das Gefühl auf deinen Lippen und deiner Zunge, und wie du es hinunterschluckst. Den köstlichen Nachgeschmack. Wie sehr du es nächstes Mal, wenn du es isst, genießen wirst.
  • Stell dir die Umgebung vor. Bist du alleine und hast es ganz für dich selbst? Sind Freunde bei dir, mit denen du gemeinsam dieses köstliche Dessert genießt? Bist du in einem hübschen Café oder Restaurant, genießt das Ambiente und den Service, und den Kaffee oder Likör dazu?
  • Stell dir vor, wie viele Portionen du dieses Mal essen willst. Wirst du es schnell oder langsam essen? Wirst du alles auf einmal essen oder etwas für später aufheben?
  • JETZT stell dir vor, dass dich jemand zwingt, dein Lieblingsdessert zu essen. Das ist kein Witz. Du kannst nicht weg. Er ist zu stark für dich, und kniet auf deiner Brust und hält deine Arme nieder. Vielleicht hat er dich mit einer Waffe bedroht, um dich in diese Situation zu bekommen, oder er hat dich mit Versprechungen des Lieblingsdesserts ausgetrickst und überwältigt, sobald ihr alleine wart.
  • Stell dir vor, dass sie dir dein Lieblingsdessert nicht so anbieten, dass du kontrollieren kannst, wie viel du abbeißt, kaust und schluckst. Diese Person stopft dir dein Lieblingsdessert in den Rachen. Mit einem Stock.
  • Stell dir vor, dass dein Lieblingsdessert so hart und schnell nachgestopft wird, dass du dich daran verschluckst, und du nicht genug Luft kriegst zwischen zwei Bissen. Dir wird vom Sauerstoffmangel schwindelig, aber du hast Angst nach Luft zu schnappen, da sonst Dessert in deine Lunge kommen könnte.
  • Stell dir vor, dass der Stock blaue Flecken, Schürfwunden und Schnitte in deinem Mund verursacht, während dir mehr und mehr Dessert in den Rachen geschoben wird.
  • Stell dir vor, wie das Blut aus den Schnitten sich mit dem Geschmack deines Lieblingsdesserts vermischt.
  • Stell dir vor, wie Stücke von deinen Zähnen abplatzen und abbrechen, und wie sie sich mit dem Dessert vermischen, sodass du sie mit hinunterschluckst.
  • Stell dir vor, wie deine Lippen reißen und blau werden durch den Stock, während dir damit weiter Dessert in den Mund geschoben wird.
  • Stell dir vor, wie du dich windest und versuchst, dem nächsten Happen zu entkommen. Wie du weinst, wie dir Rotz und Tränen das Gesicht hinablaufen, wie deine Augen um Gnade flehen – aber diese Person hört einfach nicht auf.
  • Noch schlimmer: Stell dir vor du hast so viel Angst, dass die Person dich umbringen wird, dass du einfach nur da liegst, wehrlos, regungslos, und verzweifelt versuchst nicht wirklich anwesend zu sein in deinem Körper, denn dann schmerzt der Stock in deinem Mund nicht ganz so sehr.
  • Stell dir vor, wie du in einem der beiden Fälle (windende Angst oder starrem Schock) genau weißt, dass du keine Macht hast, die Person zu stoppen, und dass deine Panik und deine Schmerzen genau das sind, was sie von dir am Meisten will. Das Dessert an sich ist irrelevant. Es ist nur dazu da, dir wehzutun und dich durch deine Machtlosigkeit zu degradieren.
  • Stell dir vor, du hast diese Zwangsernährung überstanden, und dein Attackierer verabschiedet sich am Tatort oder irgendwo, wo er dich abgesetzt hat, von dir. Bevor er dich verlässt, macht er sich lustig über dich, indem er dir erzählt, wie lecker dein Lieblingsdessert geschmeckt hat, und welch ein Glück du hast, dass er dir mehr davon gegeben hat, als du jemals zuvor hattest.

Und jetzt kommts:

  • Stell dir vor du erzählst anderen, was passiert es, wie schlimm es war, welche Angst du ausstehen musstest und wie sehr es dich körperlich verletzt hat. Und sie gucken dich nur an und fragen „Aber wo ist das Problem? Es wissen doch alle, wie sehr du dieses Dessert magst.“

Denk daran, wie lange es dauern würde, bis du dein Lieblingsdessert wieder essen kannst, und ob du es jemals wieder wollen würdest, denn jedes Mal, wenn du es sehen, riechen oder gar schmecken würdest, müsstest du wieder an die Attacke denken.

Dann hör auf, Kackscheiße darüber zu verbreiten, dass Vergewaltigung nur härter als anderer Sex sei, das Ganze „nur ein bisschen aus dem Ruder gelaufen“ sei, und doch nichts Schlimmes passiert sei.

Die Metapher ist absichtlich so hart wie möglich gewählt mit Stöcken, abgebrochenen Zähnen und Schnittwunden. Manche Leute werden dieser Wahl mit Hinblick auf Vergewaltigungen durch Bekannte vermutlich widersprechen, da in diesen Fällen die meisten Frauen ohne körperliche Wunden zurückbleiben. Sollte irgendwer in Versuchung kommen, solche Widersprüche zu äußern: Denkt mal nach über den Unterschied zwischen freier Wahl etwas zu tun und es dann auch genießen, gegenüber dem Zwang es zu tun, weil es jemand anderes es will, ohne Rücksicht auf deine Sicherheit und Würde, und sich an dir befriedigt, während du keine Kraft hast, ihn zu stoppen.

Anmerkung

Nachdem ich oft Dinge wie „Aber ich stehe darauf, wenn er mich härter anfasst“, „Ich mag eben BDSM“ etc. höre: D/s ist eine legitime, sexuelle Vorliebe. Rape Fantasy bzw Rape Play auch. All dies sind sexuelle Praktiken, die auf einem Konsens basieren. Vergewaltigungen nicht.

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Quellen / Weiterführendes:

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