Male Gaze

„Male Gaze“ ist ein aktiv-männlicher, kontrollierender und neugieriger Blick und ein ursprünglich aus der Filmtheorie stammender Begriff.


Bevor über das „männliche Starren“ gesprochen wird, ist es wichtig zuerst das Elternkonzept vorzustellen: Das Starren, „the gaze“. Auf deutsch vielleicht mit „Die Lust am Schauen“ zu übersetzen. Nach Wikipedia ist diese Form des Starren ein Konzept, das zur „Analyse visueller Kultur… die sich damit beschäftigt wie ein Publikum die präsentierten Menschen wahrnimmt“ verwendet wird. Die verschiedenen Arten des Starrens sind kategorisiert, je nachdem, wer starrt.

Obwohl die Ideen hinter dem Konzept schon vorher bekannt waren, kann die Einführung des Begriffes „männliches Starren“ auf Laura Mulvey und ihren Aufsatz „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ (1975) zurückgeführt werden.

Mulvey beschreibt, dass Frauen in Filmen üblicherweise als das Objekt des Starrens gesehen werden, statt als Starrende, da die Kameraführung (und damit die Blickführung) von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu zählt unter anderem die Annahme, dass das Zielpublikum der meisten Filmgenres aus heterosexuellen Männern besteht. Diese Aussage traf damals eher zu als heute, da die meisten Hollywood-Schauspieler überwiegend männlich waren, aber das grundlegende Konzept von Männern als Betrachtern und Frauen als Betrachtete gilt immer noch – trotz der wachsenden Anzahl an Filmen, die für eine weibliche Zielgruppe gedreht werden und Frauen als Protagonisten bieten.

Obwohl der Begriff aus der Filmtheorie kommt, wird er oft auf andere Medienformen angewandt. Er wird in Kritiken für Werbung, Fernsehen und die „hohen Künste“ verwendet. Zum Beispiel von John Berger (1972), der europäische Aktkunst studierte und herausfand, dass das weibliche Modell oft direkt im Blickfeld des Betrachters oder indirekt über einen Spiegel steht, und die betrachtende Person die Perspektive des Künstlers einnimmt.

Für Berger dokumentieren diese Bilder die Ungleichheit der Geschlechtsbeziehung und eine Sexualisierung des Frauenbildes, die kulturell gesehen zentral bleiben. Sie versichern Männern ihre sexuelle Macht und verweigern gleichzeitig weibliche Sexualität ausserhalb des männlichen Konstruktes. Sie sind Beweis für geschlechtliche Ungleichheit… weil jede Unternehmung, die Frauen in diesen Bildern mit einem Mann zu ersetzen verletzt ‚die Annahmen des möglichen Betrachters‘ (Berger, 1972:64). Was bedeutet, es passt nicht zu den Erwartungen, verstößt sogar gegen diese und wirkt daher als falsch.

– Wykes and Barrie Gunter (pp. 38-39)

Das männliche Starren in der Werbung ist ein vergleichsweise gut untersuchtes Thema, und Werbung fällt einem eher als Film ein, wenn der Begriff genannt wird. Die Frau in der Werbung wird mehr als nur das angestarrte Objekt, sie wird zu dem, was gekauft und verkauft wird: „Die Botschaft jedoch war immer die gleiche: kaufe das Produkt, bekomme das Mädchen; oder kaufe das Produkt, um so zu werden wie das Mädchen um einen Mann zu kriegen“ mit anderen Worten: „‚Kauf das Image, ‚bekomme‘ die Frau“ (Wykes, p. 41).

In diesem Fall degradiert das männliche Starren Frauen zu Gebrauchsartikeln, die helfen, ein Produkt zu verkaufen (vgl. „Sex sells“ das jedesmal aufkommt, wenn über modernes Marketing gesprochen wird).

Auch Werbung, die auf Frauen abzielt, ist keine Ausnahme: sie verwickelt betrachende Personen in die Perspektive des Photographen (Spiegeleffekt, siehe oben), und vermittelt als Kaufanreiz „werde mehr wie das werbende Modell – mit diesem Produkt möglich!“

Mit dem Aufkommen feministischer Popkulturkritik findet der Begriff auch Anwendung für Comics und Videospiele. Aus einem dieser Bereiche finden wir ein klares Beispiel des männlichen Starrens im Einsatz:

Das obige Bild, das dem Comic All Star Batman And Robin, the Boy Wonder (Skript von Frank Miller) entnommen ist, zeigt, wie das männliche Starren konkret funktioniert. Wenn Miller sagt „Wir können unsere Augen nicht von ihr nehmen“ spricht er direkt zu seinem (wahrscheinlich männlichem) Publikum, und die Ergänzung („Besonders da sie so einen tollen Arsch hat.“) sagt laut und deutlich dass die sexualisierte Darstellung dem Vergnügen des heterosexuellen, männlichen Betrachters dient. Viki Vale’s Charakter wird verwendet, um der Leserschaft ihre Hetero-Männlichkeit zu versichern, während zur selben Zeit Vicki eine eigenständige Tätigkeit ausserhalb dieses Gebildes verweigert wird. Sie ist die Quintessenz der von Männern Betrachteten: des Author Frank Miller, seines Zeichners, und der wahrscheinlich männlichen Leserschaft des Comics.

Der Begriff kann auch ausserhalb des ursprünglich von Mulvey gedachten Kontextes verwendet werden. Obwohl es am einfachsten darstellbar ist, wo die Absicht des Schöpfers klar (oder im Fall von Frank Miller offensichtlich) ist, ist diese Absicht nicht unbedingt eine Vorbedingung für männliches Starren. Weder muss die schöpfende Person oder das Publikum männlich sein, noch muss das Ziel des Starrens mit dem Ergebnis unglücklich sein. Am leichtesten lässt sich das männliche Starren beschreiben, wenn man es auf die Wurzeln zurückführt: weibliches Modell, männlicher Betrachter.

Und wenn du das Konzept noch nicht ganz verstanden hast, kannst du diesen Dinosaur Comic darüber lesen. Jeder weiß, dass Dinge mehr Sinn machen, wenn Sie von sprechenden Dinosauriern erklärt werden.

Quellen

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