Was sind männliche Privilegien?

Male Privilege sind Vorteile, die Männer allein durch ihr Mann-sein in unserer Gesellschaft gegenüber Frauen haben.


Was sind männliche Privilegien?

Bevor über „male privilege“ geredet werden kann, ist es zunächst wichtig zu klären, was Privilegien in einem unterdrückungsfeindlichen Umfeld bedeuten. Privilegien sind im Grunde ein Vorteil von dem Menschen profitieren, der ausschließlich auf ihrem gesellschaftlichen Status beruht. Es ist ein Status, der von der Gesellschaft an verschiedene Gruppen unabhängig von Individuen vergeben wird, weshalb es mitunter schwierig ist, die eigenen Privilegien zu erkennen

Zusammengefasst:

Privileg ist, wie du durch die Gesellschaft angepasst wirst. Es sind Vorteile, die du hast, von denen du denkst, dass sie normal seien. Es ist selbst normal und andere eine Abweichung von dieser Normalität zu sein. Es geht um das Los, von einer niedrigeren Stufe aus zu deinem Vorteil zu handeln.

Da der gesellschaftliche Status auf verschiedene Arten verliehen werden kann – von Rasse  über Geografie bis Klasse – sind alle Menschen in bestimmten Aspekten ihres Lebens privilegiert oder unprivilegiert. Des Weiteren hängt die Dynamik dieses Status stark von der jeweiligen Situation ab, sodass eine Person in einer Situation von einem Privileg profitieren kann, in einer anderen wiederum nicht. Es ist außerdem möglich Situationen zu erleben, in denen Personen gleichzeitig von Privilegien profitieren können, während sie ebenfalls der Empfänger von Diskriminierung in einem Gebiet sind, in dem sie von diesem Privileg nicht profitieren können.

(Anm. vgl. Intersektionalität)

Das Konzept der Mehrfachdiskriminierung; Eine Person ist selten nur von einer Ebene der Diskriminierung betroffen, sondern kann von mehreren betroffen sein (schwarz und lesbisch z.B.). Mehr noch: man kann in verschiedener Hinsicht diskriminiert sein und gleichzeitig auf anderen ebenen privilegisiert (etwa weiß und behindert). Letztere Situation trifft übrigens auf die meisten Menschen zu.

– https://highoncliches.wordpress.com/glossar/

Das „male privilege“ ist eine Reihe von Vorteilen, die Männer als eine Klasse durch institutionelle Macht im Vergleich zu Frauen – als Klasse – erlangen. Während jeder Mann diese Privilegien durch seine individuelle Position in der gesellschaftlichen Hirarchie unterschiedlich erfährt, profitiert doch jeder Mann allein dadurch, ein Mann zu sein, von ihnen.

Zu Anfang mag es einfacher sein, sich dem Thema eher mit einem systematischen als mit einem persönlichen Ansatz zu nähern:

Wahre Geschlechtergleichheit wird als Ungleichheit wahrgenommen. Eine Gruppe die zu 50% aus Frauen besteht, wird eher als weiblich wahrgenommen. Eine Situation, die perfekt zwischen Männern und Frauen ausbalanciert ist, wird als unausgewogen zum Vorteil der Frauen wahrgenommen. Und wenn ihr das nicht glaubt, dann wart ihr nie eine verheiratete Frau, die ihren Familiennamen behalten hat. Ich hatte Schüler, die mir das als Beweis meines „Sexismus“ vorhielten. Mein eigener Bruder sagte mir, dass er niemals eine Frau heiraten könnte, die ihren Namen behält, weil „jeder wissen würde wer diese Beziehung bestimmt“. Perfekte Gleichheit – mein Mann behält seinen Namen und ich behalte meinen – wird als Aussage zur Überlegenheit meines Teils gewertet.

– Lucy, When Worlds Collide: Fandom and Male Privilege.

In diesem Fall wird Ungleichheit empfunden, weil es als „normal“ für Frauen angesehen wird, den Namen ihres Ehemannes zu übernehmen, wohingegen die Wahl, den eigenen zu behalten, davon abweicht. Die Popkultur bezeichnet dieses Verhalten als „entmannend“, aber hinterfragt nie, wie Frauen sich fühlen, wenn sie aufgefordert werden, etwas aufzugeben, das seit ihrer Geburt ein Teil von ihnen war. Das ist ein Beispiel einer Kultur des „male privilege“ – wo die Position und Gefühle des Mannes über denen der Frau stehen, auf eine Art die als normal, natürlich oder traditionell angesehen wird. Um auf den Artikel von Lucy zurückzukommen, der folgende Absatz stand direkt über dem oben zitierten Text:

„Male privilege“ mag in anderen Kulturen offensichtlicher sein, aber auch in der sogenannten westlichen Welt ist er noch immer allgegenwärtig. Tatsächlich sogar so allgegenwärtig, dass er unsichtbar ist. So tiefgreifend, dass er die Norm ist, so normalisiert, dass es nur in seiner Abwesenheit sichtbar wird. Die gewaltige Mehrheit der Institutionen, Räume und Subkulturen bevorzugen männliche Interessen, aber weil „Männlichkeit“ der Standard in dieser Kultur ist werden solche Interessen oft als geschlechtsneutral wahrgenommen. Im Ergebnis bemerken wir es erst wirklich, wenn weibliche Interessen bevorzugt werden.

– Lucy, When Worlds Collide: Fandom and Male Privilege.

Die meisten Leute denken nicht weiter darüber nach, wenn eine Frau den selben Namen wie ihr Ehemannes trägt; sie gehen einfach davon aus, dass es sich um den Familiennamen ihres Mannes handelt. Das veranschaulicht wie das „male privilege“ verdeckt operiert. Wenn eine Frau nicht den Namen ihres Ehemannes teilt, führt das jedoch häufig zu Verwirrung oder sogar Verärgerung – wie Lucys Beispiel verdeutlicht. Die männlich orientierte Option (die Frau übernimmt den Namen des Ehemannes) wird als Standard angesehen, während die neutrale Option (beide behalten ihren Familiennamen) als Abweichung von der Norm angesehen wird und daher als Bevorzugung der Frau aufgefasst wird, weil nicht die Männer bevorzugt werden.

Es ist wichtig im Kopf zu behalten, dass das oben genannte Beispiel kein ungewöhnlicher Vorfall ist; „male privilege“ ist ein institutionelles Problem, das mit einer langen Geschichte verbunden ist. Zusätzlich zu dieser Anektode schreibt Lucy, wie „male privilege“ mit Fandoms zusammenhängt; in „Occasionally Conversations with my Man Are Instructive“: („Gelegentlich sind Gespräche mit meinem Mann lehrreich“) spricht Ilyka über seinen Einfluss in Form von männlichen Kommentatoren auf Feministischen Blogs; und in in ihrer „Privilege in Action“ Serie nimmt tekanji Fälle von Bevorzugungen die sie in verschiedenen Aspekten ihres Lebens erlebt hat (sowohl on- als offline) und dekonstruiert sie, indem sie speziell aufzeigt, warum sie problematisch sind. All das zeigt eines: es geht nicht darum, dass eine Person etwas sagt oder tut, es geht um eine große Zahl von Personen die Dinge tun und sagen, die im Gesamten schlussendlich Männern insgesamt einen Vorteile einräumen.

Quellen/Weiterführendes

14 Kommentare

  • freezombie sagt:

    Pingeliger Hinweis zur Übersetzung: „Occasionally Conversations with my man are instructive“ heißt richtig übersetzt „Gelegentlich sind Gespräche mit meinem Mann lehrreich“

  • Nadine sagt:

    Ich habe zwei Anmerkungen:

    1) Warum zitierst du eigentlich hauptsächlich irgendwelche Blogs und keine belastbaren wissenschaftlichen Quellen? Blogs sind am Ende halt doch nur die „Privatmeinung“ von Einzelpersonen.

    2) Es gibt durchaus weibliche Privilegien, z.B. nicht zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Das heißt als Frau habe ich schon zwei Semester länger studiert als die meisten Männer meines Jahrgangs und kann entsprechend früher anfangen zu arbeiten und Geld zu verdienen.

      • Nadine sagt:

        Dein Kommentar ist leider leer… Vergessen den Text zu kopieren?

      • Nadine sagt:

        Ah, jetzt ist der Kommentar sichtbar.

        Was soll denn an der Aussage maskulistisch sein? Wir haben als Frauen leider immer noch weitaus weniger Vorteile als Männer, aber die Geschichte mit dem Wehrdienst sehe ich (und auch die anderen Frauen, die ich kenne) als eindeutiges Privileg. Es wäre schön, wenn du dazu mehr sagen könntest, als mir nur einen Link hinzuwerfen. Wenn ich mir schon deinen Artikel sorgfältig durchlese, erwarte ich von dir so viel Höflichkeit, auch auf Argumente einzugehen.

        Was sagst du zu der Sache mit den Quellen? Wissenschaftliche Papers wären hier halt deutlich angebrachter, da sie weniger emotional gefärbt und von neutralem Standpunkt aus verfasst sind.

    • gilbster sagt:

      Siet März 2011 ist die Wehrpflicht ausgesetzt.

  • Simon sagt:

    Ausgesetzt ist nicht abgeschafft. Sie ist weiterhin im Gesetz verankert, und weiterhin nur für Männer. Ich sehe dies auch als Privileg der Frauen.
    (Maskulismus-Spotted-Link in 3…2…1….)
    Ein Diskussionskiller sondergleichen. Vielleicht sollte ich einen „Feminismus Spotted“ Artikel schreiben, und da mal ordentlich Kritik anbringen, und das den ganzen Feministen auch so wortlos vor die Füße knallen. Ich finde so ein Verhalten nämlich relativ unhöflich. Aber wenn Frau Antiprodukt nicht möchte, das man hier liest und diskutiert, dann tu ich es auch nicht.

    Auch wenn ich doch zu gerne wissen würde, wieso Frauen des Maskulismus bezichtigt werden. Was kommt als nächstes? Antisemitische Juden? Homophobe Queers? Sorry, aber das ist lächerlich.

    • antiprodukt sagt:

      Ich verwies auf den Link, weil da Wehrpflicht als Argument für „weibliche Privilegien“ ausreichend behandelt wird. Mehr muss dazu auch nicht gesagt werden.

      • Nadine sagt:

        „Eigentlich hinfällig, wird dennoch nach wie vor gerne angebracht. Jahrhundertelange Schmerzen usw usf. Männer müssen im Krieg sterben und Frauen sind von (sexueller) Gewalt, Tod (…) und anderen Facetten des Krieges nicht betroffen.“

        Das soll „ausreichend behandelt“ sein? Das ist nicht mal ein vollständiger Satz und hat auch mit Wehrpflicht nichts zu tun…

        • AntiproduktFan sagt:

          Du wirst keine Antwort von Antiprodukt bekommen!
          Entweder Du ankzeptierst was hier steht, oder Du tust es eben nicht! Diese Fragen die stellst, sagen sowieso mehr über DICH und Deine Intentionen aus als du denkst, und darum solltest Du sehr vorsichtig sein was Du hier postest!

  • […] dass er im nächsten Atemzug auf sein Geschlecht angesprochen wird. Das ist eines der vielen Privilegien, über die sich die wenigsten bewusst sind. Das ist ja auch genau Teil von Privilegien, dass man […]

  • […] Männliche Privilegien (Huch, so viele Einzelfälle!) […]

  • […] Und in diesem Fall beginne hier. Dies ist natürlich nicht alles zum Thema, aber ein guter Einstieg mehr davon hier. Ok, die Sprechposition ist geklärt: dein Startsetting ist einfacher als das von anderen. Und […]

  • […] hatte (und hat). Die Freiheit, diese Freiheit so in Anspruch nehmen zu können, ohne Zweifel, dass die Gesellschaft sie ihm da so ausgelegt hat – bereit zum […]

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